Hinweisgebersysteme auf dem Prüfstand
15. März 2021

Der äussere Druck zum Einrichten bzw. Überprüfen von Hinweisgebersystemen

Private wie öffentliche Unternehmen und Organisationen sind derzeit gefordert, ihre Hinweisgebersysteme zu überprüfen bzw. solche einzurichten. Mit der anstehenden Umsetzung der EU Whistleblower Richtlinie in nationales Recht (Frist: Dezember 2021) werden Mindeststandards für Hinweisgebersysteme in der EU festgelegt. So müssen öffentliche wie private Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden zukünftig u.a. sichere Meldekanäle bereitstellen. Meldekanäle müssen gemäss der EU Whistleblower Richtlinie insbesondere die Vertraulichkeit der Identität des Hinweisgebers sowie der in der Meldung erwähnten Personen wahren.

Unternehmen und private Organisationen mit Sitz in der Schweiz werden von diesen Regelungen ebenfalls betroffen sein. Dies gilt trotz des Scheiterns des schweizerischen Gesetzesvorhabens zum Schutz von Hinweisgebern im Jahr 2020. Ausländische Handelspartner und andere Stakeholder werden vermehrt erwarten, dass auch ihre Partner in der Schweiz der europaweit geltenden „best practice“ zum Schutz von Hinweisgebern folgen und für entsprechende Meldesysteme und den Schutz von Whistleblowern sorgen.

Die interne Motivation zum Einrichten bzw. Überprüfen von Hinweisgebersystemen

Die interne Motivation für Organisationen zum Einrichten bzw. Sicherstellen eines effizienten Hinweisgebersystems liegt in der Prävention und dem frühzeitigen Aufdecken von Compliance Verstössen. Über 40% der identifizierten Compliance Verstösse werden gemäss der ACFE-Studie (Report to the Nations, 2020 Global Study on Occupational Fraud and Abuse) durch Hinweise aufgedeckt. Damit sind Hinweise die mit Abstand wichtigste Methode zur Prävention vor und Aufdeckung von Compliance Risiken. Am zweithäufigsten wird Fehlverhalten durch interne Audits entdeckt. Dies entspricht rund 15% der Vorfälle und ist damit dreimal weniger als durch Hinweisen. Ungefähr 50% der Hinweise kommen gemäss der ACFE-Studie von Mitarbeitenden, ca. 22.% von Kunden.

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